Das Fischerdorf Freest ...

...ist damals wie heute zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert (natürlich nicht nur wegen unserer Räucherei).

... den besonderen Reiz des alten Fischerdorfes an der Peenemündung hat CHRISTINE SENKBEIL schön beschrieben:

 

Freest – man kennt sich“ verkündet ein Aufkleber in blau und weiß. „Freest – da free´ste nich nach Sonnenschein“ blödelten meine Berliner Badegäste nach einer Woche Regen immerhin doch noch gut gelaunt. Freest – das kann man in einem Satz nun mal einfach nicht erfassen. Man muss es schon kennen. Und dann: mögen – aber das passiert meist schnell, ohne dass sich genau sagen lässt, warum. 

 

Gemütlich ist es hier. Es ist eben ein Fischerdorf, ein historisch gewachsenes dazu. Freest gibt es seit Generationen von Thurows und Dinses und Krügers – und die bösen Städter behaupten, dass wir hier sowieso im Grunde nur aus diesen 3 Familien bestehen. Fakt aber ist, dass es schon immer viele Gäste hierher in die ´Sommerfrische` zog, das viele von ihnen länger blieben, wiederkamen, nicht mehr weggegangen sind. Frisches Blut in alte Fischeradern. Zumindest von einer gesunden Durchmischung kann also durchaus die Rede sein. Wir haben hier alles, was zu ´Romantik Nord´ dazugehört: blauweisse Fischkutter gibt es und rote Reusenfähnchen, Berge aus Netz und Türme aus Fischkisten, spektakelnde Möwen und junge Katzen, die in der Mittagssonne getrost vor schwarzgetünchten Bretterbuden schlummern. Die wettergegerbten Gesichter alter Fischer gibt es hier wirklich, die kittelbeschürzten Frauen mit dem Netzbeutel in der Hand ebenso, ein Schwätzchen haltend nach dem Milchholen.

 

Bilder also, die der Jäger des verborgenen Fotomotivs benötigt, um die Authenzität seiner Zeit an der See zu belegen. Im Sommer brechen sie in kleineren Scharen über den Ort hinein, der dann seine Einwohnerzahl für ganze 3 Monate verdoppelt. So ganz ein Geheimtipp ist es nun gerade nicht mehr, hierherzukommen – fernab des Getümmels der großen Seebäder scheint Freest aber doch noch immer nicht ganz wachgeküsst zu sein.

Ganz einfach bekommen jene Fotografen es dennoch nicht, dieses Freest. Seine Schönheit verweigert sich einfacher Postkartenromantik. Es sind eben nicht nur die Holzboote. Man muss schon genauer hinschauen, und es braucht Zeit, vor allem die. Denn dann bekommt man zu den Booten noch das Gepolter der alten Dieselmotoren, das die Stille am Hafen zerfetzt, wenn die Kutter auslaufen vor Tau und Tag. Nacheinander, wie auf eine Schnur gefädelt tuckern sie hinaus auf den Bodden. Am hellen Vormittag sieht man sie zurückkehren, auf Schlagseite liegend mit vollem Fang, begleitet von Hundertschaften hungriger Möwen. Und man hört, was Neues es aus alten Gesichtern zu schimpfen gibt. 

 

Es ist ein altes Dorf, slawische Siedlung, 1298 erstmalig erwähnt. Dreh- und Angelpunkt war hier schon immer der Fisch – Boote, Netze, Fangbetrieb. Der geschäftige Hafen, der ganze Ort ist von diesem häufigsten Broterwerb geprägt: rohrgedeckte Fischerhäuser ducken sich vor dem rauen Wind, Schwaden appetitanregenden Räucherdufts dringen aus dem Schornstein der Räucherei, mit Teer gestrichene Netzeschuppen sind von ausrangiertem Fanggerät umstellt. Salzhütten, in denen früher die Zeesbootfischer noch Hering in Fässer eingelagerten, verfallen unbeobachtet vor sich hin.

Der Ort ist kein Museum, neben historischem Erbe behaupten auch mehr oder minder gelungene Vor- und Nachwendebauten eisern ihre Position. Was der Romantiker am allerliebsten aus seinem Blickwinkel rücken und der Liebhaber der preußischen Rechtwinkeligkeit dafür in Großaufnahme senden würde, gehört nun einmal mit dem Alten zusammen, wie auch die Menschen hier sehr eng zusammenleben, die Jungen mit den Alten.

 

Die Vorgärten gehören dazu, die zwar mit wenig Phantasie aber viel Mühe, vor allem aber einem ganz entschiedenen Bekenntnis zur Symmetrie angelegt sind, auch sie sind ein Stück vom Gesicht dieses Dorfes. Und die Wetterhähne, die sich hier häufiger um ihre Achse drehen als an südlicheren Orten. Genaugenommen sind es Wetterflundern oder Wetteraale, denn statt des soliden Federviehs rekrutiert die Schmiedekunst hier gern Motive aus der unerschöpflichen Sphäre des Blaus. Und erst diese Mischung ergibt Freest. Wenn man all dies eine Weile erlebt und auf sich wirken lässt, dann löst sich das Rätsel um den Reiz dieses Örtchens wie von allein.

 

Und dann kommt man nicht mehr umhin – man muss es einfach lieben.